Video: Havanna, Kuba – Eine Zeitreise

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Kuba ist das ungewöhnlichste Land, in das ich je gereist bin

Es ist so anders, so eigen, dass ich mich wirklich erst einmal dran gewöhnen musste. Ich war vier Tage lang in Havanna und glaube mittlerweile, dass es bestimmt schönere Ecken auf Kuba gibt. In Havanna stehen wahnsinnig schön restaurierte Häuser neben Gebäuden, die aussehen, als würden sie beim nächsten Windstoß in sich zusammenfallen. Havanna ist dreckig, überall liegt Müll und es stinkt in den Straßen. Dafür gibt es aber auch Gegenden, die fast auf Hochglanz geputzt sind, eben vor allem da, wo die wichtigen Gebäude stehen.

Viele Kubaner arbeiten viel und lange, aber viele sitzen auch einfach den ganzen Tag vor der Haustür und quatschen mit den Nachbarn. Womit ich auch meine Schwierigkeiten hatte, war die haarfeine Linie der Kubaner zwischen extrem unfreundlich und wahnsinnig herzlich. Naja, wahrscheinlich habe nur ich ihr Verhalten als unfreundlich empfunden und es ist vielleicht einfach ihre Art, sehr laut zu reden und ungeduldig zu meckern. Ich persönlich hatte da aber meine Probleme mit. Sobald man jedoch wirklich mal angefangen hat, mit jemandem zu reden, waren sie auf einmal unglaublich freundlich. Soll da einer draus schlau werden…

Hier ein paar generelle Informationen zu Kuba

Hauptstadt: Havanna (La Habana)
Amtssprache: Spanisch
Währung: Pesos Convertibles (CUC) und Pesos Cubanos (CUP), 1 CUC entspricht ca. 1€, 1 CUC entspricht 25 CUP
Größe: 109.884,01 km²
Einwohner: 11.238.317 (Stand 2014)
Klima: Tropisch mit einer Durchschnittstemperatur von 24,9°C und viel Regen in den Sommermonaten
Location: im Karibischen Meer, nordöstlich von Cancún, ca. 510 km Luftlinie
Entfernung: ich bin von Cancún ca. 1:30h nach La Habana geflogen, die Kosten hierfür liegen bei ca. 250-350€ hin und zurück.

(Sources: Wikipedia und climate-data.org)

Ein anderes politisches System

Wie ihr bereits gesehen habt, hat Kuba zwei verschiedene Währungen: den Peso Convertible (das ist die Touristenwährung) und den Peso Cubano (die einheimische Währung). In Kuba kann jeder mit allem bezahlen, aber als Tourist zahlt man für die Sehenswürdigkeiten, Museen usw. immer mit Pesos Convertibles. 1 Peso Convertible entspricht 25 Pesos Cubanos und während man in den einheimischen Bistros, Cafés und Restaurants für wenige Pesos Cubanos schon eine große Portion Essen bekommt, zahlt man in den “normalen” Touristenrestaurants ordentliche Preise zwischen 7-15CUC für ein Essen. Qualitativ muss ich sagen, merkt man aber auch einen großen Unterschied. In den einheimischen Restaurants gibt es oft Dinge wie Hot Dogs, gebratenes Hühnchen oder Pizza mit Würstchen. Für mich als Veganerin blieb dann meist nur die Option Reis mit ein bisschen Gemüse. Macht auf die Dauer nicht besonders glücklich, schont den Geldbeutel aber enorm.

Generell sollte man seine Essensansprüche in Kuba etwas herunterschrauben. Das einzige, was ich wirklich lecker fand, war das Obst. Aber das ist genauso lecker in Mexiko. Es kam in Restaurants (auch in den touristischen) oft vor, dass ich etwas bestellen wollte, mich aber dreimal umentscheiden musste, weil sie eben das nicht mehr da hatten. Das Problem: Kuba leidet an chronischer Produktknappheit in jeglichen Bereichen. Der Grund dafür ist das Wirtschaftssystem. Hier habe ich ein gutes Zitat der Seite Cuba Heute gefunden:

„Es besteht kein Zweifel an der Tatsache, dass Kuba über eine geplante Wirtschaft verfügt. Die Frage ist, ob sie gut geplant ist. In Wahrheit funktioniert das nationale Handelsnetz des Landes seit Jahrzehnten auf chaotische Weise und es ist bisher niemandem gelungen, ein Minimum an Organisation zu etablieren.“

Meiner Meinung nach trifft es das auf den Punkt. Mir kam alles sehr oft sehr unorganisiert vor und auch Wasser finden ist manchmal eine regelrechte Herausforderung. Deswegen solltest du NIE ohne Wasserflasche raus gehen, denn es kann gut sein, dass du manchmal ein oder zwei Stunden nach Läden suchen musst, die Wasser verkaufen. Und das in einem Land, in dem es kein trinkbares Wasser aus dem Wasserhahn gibt.

Soziale Gerechtigkeit?

Die Idee der zwei verschiedenen Währung ist ja an sich keine doofe Idee. So können sich eben auch die Einheimischen die Eintritte in Museen oder die Taxifahrt zum Strand leisten. So ganz geht der Plan der sozialen Gleichberechtigung aber doch nicht auf. Denn alle Kubaner, die etwas mit Toursimus zu tun haben, verdienen sich eine goldene Nase in diesem Land. Das Durchschnittseinkommen in Kuba liegt laut meinem Gespräch mit der lieben Liliana bei 25USD pro Monat. Das verdient ein Taxifahrer an einem einzigen Touristen mit einer Fahrt zum Flughafen. Oder nehmen wir die Casas Particulares. Das sind Privathaushalte, die Zimmer an Reisende vermieten. Hier zahlt man für ein Zimmer rund 25-30CUC (also eben auch knapp 25-30USD) pro Nacht. Laut Liliana beträgt die Steuer ca. 15-20%, womit aber immer noch definitiv genug Geld am Ende des Monats übrig bleibt.

Dennoch muss man Kuba auch mal von einer anderen Seite betrachten.

Natürlich ist von absoluter sozialer Gerechtigkeit und einer funktionierenden Wirtschaft noch nicht allzu viel zu sehen. Aber trotzdem kann man sich von den Menschen einiges abschauen und lernen. Der Wunsch nach Freiheit und innerem Frieden ist bei den Kubanern sehr groß. Ich habe mit vielen Menschen geredet, die einfach ihr Ding machen wollen und damit glücklich sind. Aus Europa bin ich gewöhnt, nach immer mehr und mehr zu streben, doch in Kuba hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass die Dinge auch alle gut sind, so wie sie sind. Dass es zwar immer Luft nach oben geben kann, dass man sich aber dennoch einmal bewusst machen sollte, dass das Leben genau in diesem Augenblick gut ist, wie es ist. Und allein für diese Erkenntnis hat sich meine Reise nach Kuba absolut gelohnt!

 

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