Nachhaltiger reisen in 6 einfachen Schritten

Eingetragen bei: Sonstiges | 2

Während ich so durch die Straßen des mexikanischen San José del Cabo schlendere und die Menschen betrachte, fällt mir vor allem eines auf: man trifft kaum auf Mexikaner. Und wenn, dann arbeiten sie in den vielen Bars, Restaurants und vor allem in den Hotels, in denen sich die (wie es scheint) Hauptbevölkerungsgruppe aufhält: die Touristen. Vorzugsweise Gringos, so werden hier US-Amerikaner genannt. Ich selbst schlafe bei einer Couchsurferin, die in dem mexikanischen Bundesstaat Michoacán geboren wurde und nun seit knapp einem Jahr in San José lebte. Sie wollte immer schon am Meer leben und hat sich damit einen Traum erfüllt. Ich kann ihren Wunsch durchaus nachvollziehen und muss gestehen, dass San José tatsächlich ganz schöne Strände hat, die man dank ausgezeichneter Infrastruktur auch gut erreicht. Jedoch hätte ich persönlich mir doch eher einen Ort mit weniger Scheinheiligkeit und Plastikweltgefühl ausgesucht. Die Läden locken mit „authentischer mexikanischer Küche” oder dem „landestypischen Getränk”. Doch für die Preise, die man in diesen Orten zahlt, könnte man locker dreimal in einem lokalen mexikanischen Markt essen gehen oder sich selbst zu Hause mit Micheladas (ein Getränk bestehend aus Bier, Chilisauce und Limone) für den ganzen Abend eindecken. A wahrscheinlich bessere Qualität und B wesentlich günstiger.

Einige Tage später bin ich schon weitergezogen nach La Paz, was, genau wie San José, im Bundesstaat Baja California Sur liegt. Hier kommt gleich ein ganz anderes Feeling auf. Die Gegend ist ruhig, die Busse heruntergekommen, auf den Straßen hört man endlich wieder mehr Spanisch als Englisch. Im Kulturzentrum der Stadt entdecke ich eine temporäre Ausstellung zur Geschichte Baja California Surs und erfahre, dass eigentlich alle Städte und Dörfer der Halbinsel mal rein landwirtschaftlichen Wert hatten oder Fischerdörfchen waren und nun langsam aber sicher dieser Sektor durch den Tourismus ausgetauscht wird. Das macht mich traurig und betroffen zugleich. Klar, ich rege mich über die Gringos auf, die überall Urlaub machen, aber selbst bin ich ja auch Touristin. Welch Doppelmoral. Oder etwa doch nicht? Das bringt mich zum Nachdenken. Auf der einen Seite will ich auch entdecken, unberührte Natur erforschen, Wale im Meer beobachten und Dinge in verschiedenen Orten der Welt erleben, aber gleichzeitig möchte ich doch, dass alles möglichst so erhalten bleibt, wie es ist, ohne der Natur großartig zu schaden.

Dafür gibt es den wunderbaren Begriff des „Sanften Tourismus“ oder „Nachhaltigen Tourismus“. Wikipedia beschreibt diesen als „[…] eine Form des Reisens, die drei wesentliche Anliegen verfolgt: 1. so wenig wie möglich auf die bereiste Natur einzuwirken bzw. ihr zu schaden, 2. die Natur möglichst nah, intensiv und ursprünglich zu erleben, 3. sich der Kultur des bereisten Landes möglichst anzupassen.” In anderen Worten bedeutet es also, sich voll ins Reiseabenteuer reinzustürzen, aber eben doch so, dass es am Ende aussieht, als wäre man nie da gewesen. Klingt ganz schön kompliziert. Aber mit ein paar einfachen Tipps, kann jeder seinen ökologischen Fußabdruck auf Reisen ein wenig verringern und so nicht nur der Natur und Kultur des Urlaubsziel, sondern auch sich selbst etwas Gutes tun!

1. Nimm der Natur nichts weg

Dies ist eine Lektion, die ich selbst in einem Moment in La Paz erfahren habe. Es gibt dort einen Strand namens Balandra. Er befindet sich an einer Lagune und durch diese Lagune hindurch kann man zur anderen Uferseite schwimmen, einen anderen weg dorthin gibt es nicht. Aus diesem Grunde ist die Natur hier weitgehend unberührt und menschenleer. Es ist unheimlich faszinierend, tatsächlich einmal der Stille der Natur zu lauschen und alles mit geschärften Sinnen wahrzunehmen. Als ich jedoch Muschel für Muschel in meinen Händen sammelte, wurde mir bewusst, dass eben genau das falsch ist. Wieso sollte ich dieser wunderschönen, vollkommen intakten Natur etwas wegnehmen? Nur um Souvenirs zu haben? Also aus egoistischen Gründen? Ich entschied mich dagegen, legte die Muscheln wieder an den Strand und schwamm zurück. Mit dem schönsten Souvenir, das man mitnehmen kann – einem Erlebnis.

2. Tierschutz auf Reisen

Ja, Tiere sind super, aber am besten aufgehoben sind sie doch immer noch in freier Wildbahn. Touristische Aktivitäten wie in Delfinarien mit Delfinen schwimmen oder auf Elefanten reiten sind gegen die Natur der Tiere und spiegeln auf keinen Fall ihr tatsächliches Verhalten in freier Wildbahn wider. Das heißt nicht, dass man sich komplett von Tieren fernhalten muss, um sie zu schützen. Es ist schön und wichtig, die einheimischen Tierarten auf Reisen kennenzulernen. Aber versucht doch im nächsten Urlaub, einfach mal auf tierschützende Alternativen zurückzugreifen, wie zum Beispiel Whale Watching oder Elefantenbegegnungen. Auf dem Blog Imprint my Travel haben sich die Reiselustigen Philipp und Lisa ebenfalls Gedanken zu dem Thema gemacht und zu artgerechten Alternativen für Erlebnisse mit Tieren recherchiert. Also, lieber im Vorhinein informieren, statt blindlings in den Tourizirkus zu fallen.

3. Lokal statt global

Wenn man schon gerne kleine, lokale Betriebe und Läden in seiner Heimatstadt unterstützt, warum sollte man das dann nicht auch auf Reisen machen? Schließlich gibt es in anderen Ländern auch landestypische Spezialitäten und diese findet man eher seltener in riesigen Shoppingmalls, sondern eher auf dem Markt um die Ecke. Das gilt nicht nur für Essen, sondern auch für Kunsthandwerk. An der Mayastätte Chichén Itzá sind wahnsinnig viele Stände mit eben scheinbar diesem Kunsthandwerk gespickt, doch ein Blick auf die Unterseite der Gegenstände verrät: Made in China. Statt Massenware an Touristenhotspots zu kaufen, lohnt es sich also auch mal, ein wenig vom gewöhnlichen Pfad abzukommen und die regionalen Geschäfte und Unternehmer zu unterstützen.

4. Beim Transport nicht nur CO² sondern auch Geld sparen

Natürlich ist eine Reise mit dem Rad zum nächsten Campingplatz wesentlich nachhaltiger als einmal um die Welt nach Mexiko zu fliegen. Keine Frage. Deshalb sollte bei Fernreisen auch immer abgewägt werden, ob man für die geplante Reisezeit nicht lieber ein näheres Ziel aussuchen möchte. Eine Woche Mexiko lohnt sich beispielsweise CO²-technisch weniger als eine Woche Italien. Zudem kommt man in den meisten Städten und Ländern auch super mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B, was sogar noch den Geldbeutel schont (in Mexico City zum Beispiel kostet eine Fahrt mit der U-Bahn umgerechnet nur 0,24€). Auch Fahrradfahren bietet sich an manchen Destinationen sehr gut an, so kann man in Porto, Portugal mit dem Rad super die Küste entlangfahren und somit gleich noch den schönen Ausblick genießen.

5. Bio und vegane Küche

Ja, ich weiß, man hat es wahrscheinlich schon zur Genüge gehört: „Esst vegan, das rettet den Planeten!“ Naja, vielleicht rettet eine vegane Mahlzeit nicht gleich den Planeten, aber zumindest wird doch ein Küken weniger zu Chicken Nuggets verarbeitet. Und das ist ja immerhin schon was. Auch Biokost am Urlaubsort fördert den nachhaltigen Anbau von Lebensmitteln und verringert den Einsatz von Gentechnik oder Chemikalien in der Nahrungsmittelindustrie. Ihr wisst ja, Angebot und Nachfrage, ne? In Xalapa, Veracruz, in Mexiko beispielsweise, habe ich in den knapp sieben Monaten, in denen ich dort gelebt habe, tatsächlich einen großen Zuwachs an Bio- und veganen Angeboten mitbekommen, einfach weil sich die Leute der Umwelt dort immer bewusster werden.

6. Lernt die Landessprache

Das ist vielleicht ein Punkt, den nicht viele im Kopf haben, wenn sie an nachhaltiges Reisen denken. Fakt ist jedoch, dass die Sprache (beziehungsweise in vielen Gebieten auch SpracheN) ein wesentlicher Bestandteil der Kultur des Landes ist. Somit kann allein schon das Lernen von Bruchteilen dieser Sprache ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung und Vermittlung der landeseigenen Kultur darstellen. Es erweitert nicht nur deinen eigenen Horizont, sondern öffnet meist auch schneller die Herzen der Einheimischen, weil sie merken, dass man sich für ihre Lebensweise interessiert. So bekommt ihr also unter Umständen zusätzlich Einblicke in das Land, die ihr ohne die Sprache oder die paar Wörter, die ihr gelernt habt, nie gehabt hättet.

Solltet ihr diese Tipps bei eurer nächsten Reise berücksichtigen, wird es euch die Erde danken. Ein rücksichtsvoller Umgang mit Mensch, Tier und Natur ist so wichtig und zwar nicht nur zu Hause. Wer sich noch ein wenig weiter mit dem Thema des Nachhaltigen Tourismus beschäftigen möchte, kann sich außerdem noch die folgenden Links angucken. Und wenn ihr zufällig noch mehr Empfehlung um Tipps habt, wie man nachhaltiger reisen kann, lasst sie sehr gerne in den Kommentaren da.

  • GOOD Travel
    Hierbei handelt es sich um einen Reiseanbieter, gegründet von zwei Berlinerinnen, der sich dafür einsetzt, Urlaub möglichst nachhaltig zu gestalten ohne auf Erlebnisse verzichten zu müssen. Hier findet ihr aber nicht nur Tipps und Tricks rund ums Thema Nachhaltiger Tourismus, sondern GOOD Travel kooperiert auch mit verschiedenen Tourismusanbietern weltweit. Außerdem könnt ihr euch auch bereits vorhandenen Reisen anschließen und so ganz ohne schlechtes Gewissen und mit interessanten Einblicken und Lernerfahrungen um die Welt kommen.
  • Vegan Welcome
    Vegan Welcom ist eine Plattform, die internationale Hotels mit großem veganen Angebot, teils auch komplett vegane Hotels auflistet. Von Bali über Wien bis Kapstadt ist alles dabei und die Preise sind dabei absolut in Ordnung. Beispielsweise kann man in einer Finca auf Mallorca schon ab 61€ pro Nacht unterkommen. Natürlich ist das teurer als ein Backpackerhostel, aber wer sich eh mal einen etwas besseren Urlaub in einem Hotel gönnen will, der wird auf dieser Website bestimmt fündig.
  • Forum Anders Reisen
    Sie beschreiben sich als „Zusammenschluss von Reiseunternehmen, die sich dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet haben“. Hier findet man hilfreiche Tipps, um beim Reisen Natur, Tieren und Menschen nicht zu schaden. Man kann sich über Reisearten, Reiseziele und Unterkünfte informieren und so seine Reise wesentlich besser planen.Wem die Umwelt und der soziale Aspekt auf Reisen nicht egal ist, ist hier also auf der richtigen Seite!
Links sieht man die Kontaminationsschicht über Mexico City, rechts die klare Luft über Baja California Sur.

2 Antworten

  1. Hey Jessy, schöner Beitrag über das nachhaltige Reisen :) Die Seite Vegan Welcome kannte ich noch gar nicht. Werde ich mir mal anschauen! Sag mal, könntest du mir den Namen deines Plugins für Instagram verraten? 😀

    Liebe Grüße
    Shirani

    • Danke, Shirani, freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat! Die Instagramvorschau ist gar kein Plugin, sondern ich habe einfach den HTML-Code eingefügt. Generiert wird der auf dieser Seite hier: https://lightwidget.com/

      Lieb Grüße zurück,

      Jessy

Hinterlasse einen Kommentar