Bist du bereit für die Reise?

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Wie schön einfach wäre es, sich einfach morgens nach dem Aufstehen zu entschließen, irgendwohin zu fahren und sich direkt ein Ticket zu kaufen. Sich den ganzen Stress zu ersparen, eine Unterkunft zu suchen, die Menschen in Job und Freundeskreis über die bevorstehende Abwesenheit zu informieren, und ein Reisebudget einzuplanen, vielleicht sogar noch darauf hinarbeiten. Es soll ja Menschen geben, bei denen das tatsächlich so unkompliziert funktioniert, wie es sich gerade anhört. Doch auch wenn ich ein großer Bewunderer dieser Art Mensch bin, ist Reisen für viele Menschen doch oft mit Organisation und Stress verbunden. Aber wieso eigentlich?

Ich muss gestehen, dass ich mich vor allem seit meiner Zeit in Mexiko doch ein wenig in meinem Reiseverhalten geändert habe. Während ich vorher bei anstehenden Städtetrips alle möglichen Foren und Blogs durchforstet habe, um auch ja kein Highlight zu verpassen, gehe ich das alles mittlerweile entspannter an. Zwar versuche ich, vor einer Reise noch den ein oder anderen Tipp mit aufzuschnappen, aber ich setze mich nicht mehr mit strikten Programmplänen unter Druck. Ein Mantra, das mich jetzt auf Reisen begleitet ist: Genieße lieber das, was du erlebt und gesehen hast, statt zu bereuen, etwas nicht gesehen oder erlebt zu haben. Mag keine besonders neue Erkenntnis sein. War es für mich aber, als ich diesen Spruch mal in die Tat umgesetzt habe. Und was soll ich sagen? Es reist sich eindeutig leichter.

Wie unschwer im Titel dieses Eintrags herauszulesen ist, soll es in diesem Blogeintrag also darum gehen, wann man eigentlich bereit für eine Reise ist. Wenn man Urlaub eingereicht hat? Wenn man vorher noch alle Haushaltsaufgaben erledigt hat? Wenn man gepackt hat? Wenn wir jedoch diese ganzen organisatorischen Fragen mal jedem Menschen selbst überlassen, können wir uns zur Abwechslung mal aufs Wesentliche konzentrieren. Das innere Bereitsein. Wann fühlst du dich bereit? Und genau hier drauf liegt das Augenmerk. Aufs Fühlen. Ich persönlich sehe das immer von zwei Seiten: vom Standpunkt meines jetzigen Lebens und von meinen Sehnsüchten.

 

Es gibt Situationen im Leben, in denen ich mir (und ihr eine Milliarde prozentig ebenfalls) einfach nur gewünscht habe, weg zu sein. Weg von diesem Ort, von den Menschen hier, von meinem Leben dort, wo es gerade stattfindet. Weil mir alles zu viel wurde, ich Stress und Verantwortung hatte und mir alles über den Kopf gewachsen ist. Leider habe ich aber in der Vergangenheit feststellen müssen, dass Weglaufen nicht immer die Lösung ist. Manchmal aber schon. Zu gerne erinnere ich mich an einen spontanen Kurzurlaub an der Ostsee mit zwei guten Freundinnen. Die Planung im Chat lief ungefähr so ab:

Freundin 1: Ich bin gestresst. Ich brauche Wellness-Urlaub. Wer kommt mit?
Ich: Ich!
Freundin 2: Wir könnten dieses Wochenende nach Rostock fahren und uns Massagen in
Warnemünde gönnen!

Und damit war die Sache geregelt. Ich musste ein paar Tage danach eine Präsentation in der Uni halten und hatte mir eigentlich vorgenommen, im Urlaub ein wenig zu lernen, Tja, Pustekuchen. Mein Gehirn hat mir da einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht und zwang mich dazu, mich am Strand zu entspannen. Und, ganz ehrlich, das war das Beste, was ich hätte tun können. Mir hat der Abstand zum Lernen gefehlt. Ich war vorher so verkrampft an die Sache herangegangen, dass ich kein bisschen vorankam und umso näher die Deadline rückte, desto verrückter machte ich mich. Massiert und tiefenentspannt zog ich also die Vorbereitung für meine Präsentation innerhalb eines Tages durch, als ich wieder in Berlin war. Und erreichte eine sehr gute Note!

Doch auch der zweite Aspekt einer Reise ist für mich wichtig: die Sehnsucht. Es gibt Momente, in denen man bereit für Orte ist und manchmal ist man das eben nicht. Mexiko, zum Beispiel, hat mich schon seit über zwei Jahren zu sich über den Atlantik gerufen. Ich weiß gar nicht wieso, aber von Anfang an ging von diesem Land so eine Faszination aus, dass ich genau wusste, dass es mich umhauen und mich nicht enttäuschen würde. Ich hatte Recht behalten und vertraue seitdem meiner Intuition mehr denn je. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Madrid hingegen nie eine reale Chance gegeben habe. Mexiko war schon währen meiner Zeit dort in meinem Hinterkopf und rief einfach lauter als Madrid. Dabei bin ich mir sicher, dass ich mich auch in Madrid hätte verlieben können. Aber wie es manchmal auch mit zwischenmenschlichen Beziehungen so ist, hat sich mein Herz eben in diesem Moment bereits entschieden. Madrid und ich hätten vielleicht eine schöne Beziehung führen können. Zu einem anderen Zeitpunkt, denn liebes Madrid, ich war einfach nicht bereit für dich. Es lag nicht an dir, sondern an mir.

Dieselbe Faszination, die ich für Mexiko empfunden habe (und immer noch empfinde), spüre ich nun von Kolumbien ausgehen. Es ist dieses Gefühl, dass sich alles so richtig anfühlt, wenn ich Pläne für meine bevorstehende Reise schmiede. Aus diesem Grund denke ich, dass eine Reise viel mehr nach inneren Faktoren als nach äußeren entschieden werden sollte. Entscheide für dich, wie viele Reiseblogs du vorher lesen willst, ob du die Sprache erst fließend sprechen möchtest oder eine Unterkunft im Vorhinein buchen musst, um dich sicher zu fühlen. Aber all diese Punkte sollten dich nicht von deiner Intuition ablenken. Wenn du merkst, dass genau jetzt der Augenblick ist, genau dorthin zu reisen, dann mach das. Und ja, so einen Entschluss kann man definitiv morgens früh direkt nach dem Aufstehen treffen.

Eine Antwort

  1. Wie recht du hast….😘

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